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Bundesamt für Sport BASPO
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Zum Erfolg führt mehr als eine Technik

Eine Analyse zum Lernen der Technik. Nicht alle Athleten brauchen dieselbe Technik, um gute Leistungen zu erbringen. Einige sind auch schnell ohne spezielle Technik, gehalten an der Trainer-Herbsttagung in Magglingen.

05.11.2009 | Matthias Remund

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Trainerinnen und Trainer, geschätzte Kolleginnen und Kollegen

«Technik lernen» steht im Zentrum der diesjährigen Trainer-Herbsttagung. Es ist wichtig, dass wir ständig am Ball bleiben und unsere Leistungen kritisch hinterfragen. Deshalb braucht es solche Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen. Nur so können wir neue Ansätze überhaupt erfahren und erkennen, nur so können wir die «Best practices» anwenden und weitergeben.
Sie alle haben hier in Magglingen - oder an einem anderen Ort - Ihre Trainerausbildung absolviert. Dabei wurde Ihnen das Basiswissen vermittelt. Sie erhielten Instrumente, die Ihnen bei ihrer täglichen Arbeit mit den Athletinnen und Athleten helfen. Sie haben Ihnen die Augen für das Wesentliche geöffnet, das es beim «Technik lernen» braucht. Aber ebenso wichtig oder sogar noch wichtiger als das theoretisch und praktisch erarbeitete Wissen, sind die eigenen Erfahrungen, die man über Monate und Jahre gesammelt hat. Nicht jede Athletin oder jeder Athlet lernt die Technik gemäss einem vorgegebenen Lernprogramm oder nach Schema X.

Als Trainer habe ich bei der Ausbildung schon beobachtet, dass bei zwei gleich Guten der Dickere besser auf den Ski stand und sich bewegte als der Dünnere. Was will ich damit sagen? Der scheinbar für den Langlauf weniger prädestinierte hat sein physisches Manko durch die Technik intuitiv wettgemacht. «Technik lernen» ist nicht nur für jene möglich, welche die optimalen Voraussetzungen mitbringen und für sich und - ja das sage ich ganz bewusst - die Trainerin und den Trainer den schnellen Erfolg anstreben. Oft hängt viel zu viel vom schnellen Erfolg und der Physis ab.
Techniktraining beschränkt sich eben nicht nur auf die Schultechnik und die gängigen Normen. Eine Technik kann auch zu guten Leistungen führen, wenn sie auf die Fähigkeiten des Athleten adaptiert ist. Natürlich sind auch diesem Vorgehen Grenzen gesetzt. Genau gleich wie dem Ackergaul, der nur durch besseres Kraftfutter auch nicht zum Rennpferd wird. Aber ein Toptrainer ist in der Lage, bei einer Athletin oder einem Athleten die richtige Technik zu vermitteln und deren oder dessen Entwicklung vorauszusagen. Dazu braucht es auch das richtige «Gspüri», das nötige Feeling, um den Athleten vom Lernen der richtigen Technik zu überzeugen.

Mein 11-jähriger Sohn Cla gehört im Schwimmen schweizweit zu den Besten seines Jahrgangs. Dies obwohl seine Technik noch nicht ausgefeilt ist. Er müsste also jetzt Technik lernen, um noch schneller zu werden. Aber er sieht den Sinn und Zweck nicht ein, er ist ja der schnellste. Was braucht es nun also: einen Trainer, der ihn mit den richtigen Technikübungen aus der Reserve lockt, oder sie eben so verkauft, dass mein Sohn deren Notwendigkeit einsieht.
Ein wichtiges Instrument, um gerade bei Nachwuchsathleten die «Best practice» anzuwenden, scheint mir PISTE, das Instrument zur Talentselektion von Swiss Olympic. PISTE ist ein Instrument zur prognostischen, integrativen systematischen Trainereinschätzung. Viel zu oft werden in der ersten Jahreshälfte eines Jahrgangs Geborene gegenüber den Späten bei Selektionen bevorzugt. Aber sind wirklich alle im ersten Halbjahr Geborenen von Haus aus einfach besser, prädestinierter zum «Technik lernen» und um später ganz an die Spitze zu kommen?
Ein Momentaufnahme der beiden Kader des WM-Qualifikationsspiels Schweiz - Israel könnte dies bestätigen: Im Kader von Ottmar Hitzfeld standen 15 Spieler, die in der ersten Jahreshälfte geboren wurden, und sechs in der zweiten. Bei Israel lautet das Verhältnis 13:10.
Meine Damen und Herren, ich danke Ihnen, für Ihre Arbeit, die sie tagtäglich mit Ihren Athletinnen und Athleten sowie Ihren Teams leisten. Ich danke ihnen auch, dass sie nach Magglingen gekommen sind, um sich an der Trainertagung gegenseitig auszutauschen, Neues zum «Technik lernen» zu vermitteln. Nur so bringen wir die Sportlerinnen und Sportler in der Schweiz weiter und können langfristig Erfolge feiern.

Ich wünsche Ihnen zwei lernreiche Tage hier am BASPO in Magglingen!

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