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Bundesamt für Sport BASPO
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Sport Schweiz 2008, J+S-Kids, Swiss Olympic Talents sowie die Revision des Bundesgesetzes

Ein Überblick über diese Themen, gehalten vor der Kantonalen Sportkommission Neuenburg.

30.04.2010 | Matthias Remund

Sehr geehrte Damen und Herren

Es freut mich, dass ich heute bei Ihnen über die aktuellen Entwicklungen rund um den Sport in der Schweiz sprechen darf. Dazu gehören unter anderem Themen wie die Sportlust in der Westschweiz sowie die Ausweitung von J+S auf die Altersstufe von 5-10.
Starten wir mit der Frage: wie sportlich ist die Schweiz? Mit Sport Schweiz 2008 liegt uns die bisher grösste und umfangreichste Befragung zu Sportaktivitäten und Sportbedürfnissen in der Schweiz vor. Es wurden über 11‘000 Personen in allen Landesteilen telefonisch befragt. Dabei zeigt sich: nicht nur bei politischen Abstimmung unterscheiden sich Jung und Alt, Romand und Deutschweizer, Frauen und Männer. Schauen wir auf die Ergebnisse.
Die Resultate der Studie Sport Schweiz 2008 stimmen sicher positiv: In den letzten acht Jahren ist der Anteil der Personen, die regelmässig Sport treiben, kontinuierlich gestiegen - auch hier in der Westschweiz.
Zwei Drittel aller Befragten machen mindestens einmal pro Woche Sport. Im Vergleich zum Jahr 2000 bewegen sich heute 200‘000 Personen mehr.
Doch wir wissen: das Sportverhalten der Schweizer Bevölkerung variiert stark. Ausschlaggebend für die sportliche Aktivität sind generell das Bildungsniveau, das Geschlecht, das Alter und die Sprachregion.
So frage ich Sie: Lebt es sich in Neuenburg als Sportmuffel leichter? () Ich sage es nur ungern, aber die Westschweizer Bevölkerung ist weniger aktiv als die gesamte Schweizer Bevölkerung. 40% geben gar an, nie Sport zu treiben.
Trotz steigender Sportbegeisterung in den letzten Jahren: Die Westschweizer Nichtsportler sind schwer zu motivieren - nur 28% wollen in Zukunft wieder mehr Sport treiben.
Hat Sport in der Romandie ein solch schlechtes Image? Ich hoffe nicht. Doch auch beim Nachwuchs zeigen sich laut dem Kinder- und Jugendbericht deutliche Unterschiede. In der Deutschschweiz treiben mehr als die Hälfte der befragten Kinder mindestens 3 Stunden Sport pro Woche, in der italienischen Schweiz sind es noch 44%. Und hier? In der Romandie treiben gerade einmal ein Drittel aller 10- bis 14-Jährigen genügend Sport.
Einen grossen Beitrag zur täglichen Bewegung leistet klar der Schulsport. Ebenso öffnen Sportvereine Kinder den Zugang zum Sport. So sind viele Mädchen und noch mehr Knaben Mitglied in einem Sportverein. Und trotzdem: viele Kinder, vor allem Mädchen bewegen sich zu wenig. Jedes dritte Mädchen mit Migrationshintergrund macht ausserhalb des obligatorischen Sportunterrichts gar keinen Sport.
Als Hauptgrund für ihre Inaktivität nennen sowohl Kinder wie auch Erwachsene meistens die fehlende Zeit. Haben Sie denn mehr zu tun als die Deutschschweizer? Jedes fünfte Kind hat dazu keine Lust auf Sport.
Doch welche Gründe sprechen eigentlich dafür, Sport zu treiben? Darin sind sich die Befragten in allen Landesteilen einig: aus Spass und für die Gesundheit. Weiter sind das Abschalten vom hektischen Alltag und das Zusammensein mit guten Kollegen wichtige Sportmotive.
Ebenfalls einig sind sich Herr und Frau Schweizer in ihrer Lieblingsportart. Ob Deutschschweiz, Romandie oder Tessin: Wir sind ein Sportland, in dem seit Jahren die Rangliste der beliebtesten Sportarten unverändert bleibt.

Der helvetische Fünfkampf ist nach wie vor

  • Radfahren
  • Wandern/Walking
  • Schwimmen
  • Skifahren
  • Jogging
Doch einen Augenblick. Haben Sie ein Fitnessabo? Hier in Neuenburg muss ich diese Liste nämlich ergänzen. In der Westschweiz hat die Sparte Fitnessstraining und Aerobic dem Jogging bereits den Rang abgelaufen.
Der Überblick über die Studie zeigt: Auch wenn Ihre Mitbürger den Schnitt etwas drücken würde für die Sportlichkeit der Bevölkerung Noten verteilt werden, die Schweiz stünde sicher gut da. Doch darauf dürfen wir uns nicht ausruhen.
In der Schweiz - vor allem in der Romandie und dem Tessin - treiben immer noch viele Personen keinen oder nur wenig Sport. Und auch wer Sport treibt ist nicht zwingend trainiert. So erfüllt ein Drittel der Bevölkerung die Ausdauerempfehlungen des BASPO, dem Bundesamt für Gesundheit BAG sowie dem HEPA-Netzwerk. Sie können als "trainiert" bezeichnet werden. 9% erfüllen immerhin die Basisempfehlungen, welche sind: mindestens an 5 Tagen pro Woche jeweils 30 Minuten und mehr ausser Atem bringende Aktivität.
Was schliessen wir daraus? Ein Viertel der Bevölkerung ist zwar aktiv, mehr als die Hälfte erreicht die in den Bewegungsempfehlungen festgelegte Regelmässigkeit aber nicht.

In der Sportförderung gibt es also viel zu tun. Umso mehr freue ich mich, dass Sie bzw. der Kanton Neuenburg häufig darum bemüht sind, Förderprogramme des Bundes für den Kanton zu übernehmen, wo nötig zu adaptieren und gezielt zu unterstützen. Bestes Beispiel ist die Verankerung von Jugend + Sport: 2007 zählten die Kurse und Lager von J+S in Neuenburg 17'607 Teilnehmende. Dass davon gut 11'000 Knaben sind, zeigt einmal mehr, dass sich Mädchen zu wenig bewegen. Der Blick auf die Statistik zeigt aber auch: Sport begeistert. Ganz oben auf der Beliebtheitsskala finden sich die Sportarten Ski, Fussball und Tennis. Doch auch Judo, Leichtathletik oder Schwimmen zählen zu den Favoriten. Jugendliche wählen hier aus rund 45 Sportarten - von Badminton bis Tchoukball. Fazit: Das J+S Angebot ermöglicht einen leichten Zugang zum Sport.
Was tragen wir zur Sportförderung bei? Mit seinen Sportförderprogrammen bietet das BASPO ein möglichst zielgerichtetes Angebot für die Bevölkerung an. Die wichtigsten Förderprogramme des BASPO sind neben Jugend und Sport: schule.bewegt, schweiz.bewegt und Erwachsenensport.

Mit dem Erwachsenensport entsteht ein neues Gefäss im Bereich der Sportförderung. Der Erwachsenensport grenzt mit seiner Zielgruppe, Erwachsene ab 20 Jahren, direkt an das Programm J+S und ist altersmässig gegen oben offen. Die bestehende Ausbildung Seniorensport und das Programm Allez Hop werden aufgelöst und diese Segmente direkt durch den Erwachsenensport bearbeitet.
Ein ergänzendes Förderprogramm steckt wortwörtlich in den Kinderschuhen: «J+S-Kids»
Die Phase zwischen dem fünften und dem zehnten Lebensjahr ist entscheidend für die körperliche, geistige und soziale Entwicklung eines Kindes. In diesem Alter sind die Voraussetzungen für die Entwicklung vieler körperlicher Fähigkeiten nahezu ideal.
Mangelnde Bewegung, zu grosser Medienkonsum, unausgewogene Ernährung, psychischer und sozialer Stress greifen die Gesundheit bereits bei Kindern an, was sich später auch im Erwachsenenalter negativ auswirkt.

An diesem Punkt setzen die zwei Hauptziele von «J+S-Kids» an:

  • Erhöhung der Bewegungsaktivität (insbesondere bei den Kindern in der Schule)
  • Grössere Zahl an qualitativ hochstehenden Sport- und Bewegungsangeboten für Kinder (insbesondere in den Vereinen)
Diese Ziele können nur erreicht werden, wenn sich die Kinder nicht zu früh spezialisieren (müssen). Für 5- bis 10-Jährige stehen umfassende Bewegungserfahrungen und die Suche nach der «eigenen» Sportart im Vordergrund. Hier sind insbesondere die Verbände und Vereine gefordert.
Das langfristig angelegte Programm J+S-Kids sieht vor, dass jede Schule - zusätzlich zum obligatorischen Sportunterricht - pro Woche eine bis zwei polysportive Lektionen anbietet. Dadurch werden insbesondere auch Schülerinnen und Schüler aktiv gefördert, die sich zu wenig bewegen. Ergänzend bieten Vereine spezielle polysportive Programme für 5- bis 10-Jährige an, die innerhalb der Strukturen von J+S geführt werden.
Im Rahmen der Budgetdebatte 2009 hat das Parlament im Dezember den Kreditposten «Entschädigungen für J+S-Aktivitäten» klar gutgeheissen. Damit stehen die erforderlichen finanziellen Mittel für J+S-Kids dieses Jahr zur Verfügung. Mit der Einführung des Programms können Vereine seit dem 1. Januar Kids-Kurse bei Jugend+Sport anmelden - vorausgesetzt sie verfügen über J+S-Leiter Kids.
Gerne spreche ich an dieser Stelle auch eine weitere Förderung von Jugend+Sport an: das Projekt «Swiss Olympic Talents» zur Förderung talentierter Nachwuchsathleten. Gemeinsam mit Swiss Olympic und dem Bund unterstützt J+S die nachhaltige, qualitativ hochstehende und leistungsorientierte Nachwuchsförderung in den Verbänden. Die Beiträge müssen dafür eingesetzt werden, die Anstellungsbedingungen der Trainer zu verbessern. Swiss Olympic Talents erhalten Zugang zu Förderplätzen an den «Swiss Olympic Sport Schools» und an den «Swiss Olympic Partner Schools». In gewissen Kantonen und Gemeinden werden die Talente mit speziellen Dienstleistungen unterstützt. Wie ich erfahren habe, ist die Swiss Olympic Talent Card in Ihrem Kanton eines der Kriterien für eine finanzielle Unterstützung.
Neben den Sportverbänden bzw. -vereinen sind Kantone, Städte und Gemeinden die grössten Sportförderer des Landes. Die Umsetzung der Sportpolitik passiert hier. In der Sportförderung sind Sie an der Front! Sie müssen Infrastruktur, Vereine, Grossanlässe und Förderprogramme managen. Eine sehr grosse Aufgabe und Verantwortung.
Eine gute Zusammenarbeit auf allen Ebenen ist Voraussetzung, dass der Sport in der Schweiz weiter entwickelt wird.
Bewegungsmangel von Kindern und Jugendlichen, Dopingmissbrauch oder negative Begleiterscheinungen anlässlich von Sportveranstaltungen: um solche gesellschaftlichen Herausforderungen zu meistern und die gesetzten Ziele zu erreichen sind wir alle gefragt. Ein wichtiger Schritt dazu ist die Totalrevision des Bundesgesetzes von 1972 über die Förderung von Turnen und Sport.
Was bringt uns das neue Gesetz? Eine zeitgemässe Sportförderung, welche den gesellschaftlichen Bedürfnissen gerecht wird. Das Gesetz legt faktisch die Grundsätze, Voraussetzungen und Modalitäten der Förderungsmassnahmen des Bundes fest. Der Entwurf übernimmt die bewährten Prinzipien des geltenden Gesetzes. Gleichzeitig bietet er den bestehenden Förderungsmassnahmen gemäss den Anforderungen des Legalitätsprinzips rechtliche Grundlagen.
Im Vordergrund der Sportförderung wird nach wie vor die Freiwilligenarbeit stehen. Der Bund unterstützt den Sport nach den Grundsätzen des Subsidiaritätsprinzips, greift nach Möglichkeit nicht selbst ein. Das neue Gesetz erlaubt nun den systematischen Einbezug sämtlicher Akteure im Bereich des Sports. So wird der hohe Stellenwert des Milizsystems im Sport und der damit verbundenen ehrenamtlichen Arbeit auch zukünftig gesichert.
Die Totalrevision orientiert sich an folgendem Hauptziel:
Ziel des Gesetzesentwurfs ist die Förderung einer sportlichen, bewegten und damit auch gesunden Schweiz.
Damit wirkt sich die Totalrevision auf diverse Bereiche des Schweizer Sports aus. Gerne erläutere ich Ihnen nun kurz die detaillierten Ziele, an denen sich die Totalrevision orientiert.
Förderung von Sport und Bewegung für alle Altersgruppen und Leistungsstufen
Formen der Förderung

Massnahmen namentlich im Bereich von Bildung, Leistungssport und fairen Sport

Direkte Unterstützung von Programmen und Projekten

Zusammenarbeit mit Gemeinwesen und Privaten
Programme und Projekte

Initiative, Koordination, Unterstützung von Programmen und Projekten zur regelmässigen Sport- und Bewegungsaktivität der Bevölkerung aller Alterstufen
Unterstützung von Sportverbänden

  • Bund unterstützt Dachverband (heute Swiss Olympic)
  • Leistungsverträge
  • Gute Rahmenbedingungen für intern. Sportverbände Jugend und Sport
  • Bund führt das Programm
  • 5 – 20 Jahre
  • Bundesrat legt Grundangebot fest
  • Nachwuchsförderung
  • Kantone können Angebot ergänzen
Sport in der Schule

  • Kantone fördern im Rahmen des schulischen Unterrichts Massnahmen der täglichen Sport- und Bewegungsmöglichkeiten
  • Notwendige Sportanlagen ist Sache der Kantone
  • Sport ist an Volks-, Mittel- und Berufsfachschule obligatorisch
  • Bundesrat legt nach Anhörung der Kantone den Mindestumfang und qualitative Grundsätze für Sportunterricht fest unter Berücksichtigung der jeweiligen Altersstufen.
Leistungssport: Massnahmen
Fördermassnahmen für leistungsorientierten Nachwuchs- und Spitzensport

  • Dienstleistung, Förderung von SpitzensportlerInnen
  • Sportwissenschaftliche Forschung und Entwicklung
  • Traineraus- und Trainerweiterbildung
  • Militär oder Zivilschutzdienst für Leistungsentwicklung nutzen
Doping
Massnahmen gegen Doping
  • Umfassende und konsequente Bekämpfung
  • Verschärfung der Strafbestimmungen gegen Doping, um die Glaubwürdigkeit des Sports zu erhalten.
Dopingkontrollen
  • Legitimation der Kontrollen und Kontrollinstitutionen
Fairer Sport
  • Einhaltung der ethischen Werte
  • Zusammenarbeit mit Kantonen und Verbänden
  • Finanzhilfen des Bundes sind von Anstrengungen in diesem Bereich abhängig
  • Unterstützung insbesondere im Bereich von Massnahmen gegen Doping, Gewalt, Rassismus, Diskriminierung und sexuelle Übergriffe.
Soviel zu den Zielen. Immer wieder aktuell ist in diesem Zusammenhang natürlich die Kostenfrage. Gerne halte ich dazu fest: Der neue Gesetzesentwurf führt mit Ausnahme der Ausdehnung des Jugend+Sport-Alters zu keiner Zusatzbelastung des Bundeshaushaltes.

Abschliessend komme ich gerne noch einmal auf ein erfreuliches Ergebnis der Studie «Sport Schweiz 2008» zurück. Brauchen wir Sportförderung? "Ja!" sagt die Bevölkerung. Eine deutliche Mehrheit befürwortet dieses Engagement. So soll der Sport entweder wie bisher gefördert oder die Förderung gar noch ausgebaut werden. Dies vor allem im Jugendsport. In diesem Sinne bedanke ich mich für Ihre Unterstützung sowie Ihre Aufmerksamkeit.

 

Tags: Rede
Zuletzt aktualisiert am: 27.08.2010
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