Sportpolitik im Wandel der Zeit
Ein Überblick über Sportgrossanlässe, das Sportpolitische Konzept des Bundesrats bis zu den Aufgaben des Bundesamts für Sport BASPO, gehalten an der Diplomfeier des CAS Sportmanagement Euro2008
Anrede gemäss Veranstaltungsprogramm
Meine Damen und Herren Sie haben ihr Nachdiplomstudium "Sportmanagement UEFA Euro 2008" in einer Zeit absolviert, in der zwei sportliche Höhepunkte stattfanden.
Einerseits die Euro2008, die sie in ihrem Studiengang beschäftigt hat, Zudem haben wohl alle von Ihnen die Spiele live oder vor dem TV-Apparat miterlebt haben. Anderseits waren es die Olympischen Spiele in Peking. Sie haben auch andere grosse Sportanlässe im Rahmen ihres Studiums besucht. So etwa das ATP-Tennisturnier in Gstaad.
Bei all diesen Anlässen stand für die breite Öffentlichkeit der Sport im Mittelpunkt. Überall spielt aber auch die Sportpolitik mit.
Nicht nur ohne Athletinnen und Athleten könnten solche Sportveranstaltungen nicht durchgeführt werden, nein auch ohne die Sportpolitiker würde es sie nicht geben. Denken Sie nur daran wie viele Sitzungen, Tagungen und Kongresse und politische Entscheidungen es braucht, bis Olympische Spiele auf die Beine gestellt werden können.
Auch in der Schweiz braucht die Entwicklung des modernen Sports zunehmend Entscheidungen von politischen Behörden.
Grundlagen für die Sportpolitik in der Schweiz sind Artikel 68 in der Bundesverfassung sowie das 1972 in Kraft getretene Bundesgesetz über die Förderung von Turnen und Sport.
Art. 68 Sport
- Der Bund fördert den Sport, insbesondere die Ausbildung.
- Er betreibt eine Sportschule.
- Er kann Vorschriften über den Jugendsport erlassen und den Sportunterricht an Schulen obligatorisch erklären.
Das Bundesgesetz zur Förderung von Turnen und Sport:
Dieses Gesetz bezweckt, Turnen und Sport im Interesse der Entwicklung der Jugend, der Volksgesundheit und der körperlichen Leistungsfähigkeit zu fördern.
Das Bundesgesetz zur Förderung von Turnen und Sport wurde überarbeitet und dürfte in der neuen Version 2011 in Kraft treten.
Doch wieso braucht es überhaupt ein neues Gesetz?
Wie die übrigen Bereiche unseres Lebens ist auch der Sport einem ständigen Wandel und Entwicklungen unterworfen.
Bundesrat Ogi war es, der auf den 1. Januar 1998 hin die sieben Wirkungsfelder im Sport formuliert hat.
Danach hat der Bundesrat erstmals über die zukünftige Sportpolitik des Bundes diskutiert. Es wurde beschlossen, dass der Bund zusammen mit den Kantonen, den Gemeinden und Swiss Olympic, das damals noch Schweizerischer Olympischer Verband geheissen hatte, sowie den Sportverbänden eine gemeinsame Sportpolitik entwickeln und umsetzen solle. Als mögliche Schwerpunkte sah der Bundesrat damals die beiden Säulen "Gesundheit durch Sport" und "Bildung durch Sport".
Um weitere Massnahmen zu treffen wurde durch eine vom damaligen BASPO-Direktor Heinz Keller geleitete Arbeitsgruppe ein Konzept "Sportpolitik Schweiz" erarbeitet. Sie bestand aus Vertretern des öffentlich-rechtlichen Sports, Bund, Kantone und Gemeinden, sowie des privatrechtlich organisierten Sports (Swiss Olympic und Verbände).
In Anbetracht der wachsenden Bedeutung des Sports hat der Bundesrat im Jahr 2000 ein sportpolitisches Konzept verabschiedet. Dem Konzept liegt ein breites Sportverständnis zugrunde. Es definiert die Ziele des Bundesrates für die Bereiche:
- Gesundheit,
- Bildung
- Leistung
- Wirtschaft
- Nachhaltigkeit
Diese fünf Bereiche dienen als Koordinatensystem und Orientierungshilfe für die bundesrätliche Sportpolitik. In den einzelnen Bereichen sind Massnahmen definiert, mit denen bestimmte Probleme wie zunehmender Bewegungsmangel der Bevölkerung, Abbautendenzen im Bildungssystem bei Bewegungs- und Sportangeboten und eine unkoordinierte Nachwuchsförderung im Leistungssport angegangen werden sollen. Die Massnahmen werden in enger Zusammenarbeit der Partner im Sport umgesetzt.
Das Hauptziel des Sportpolitischen Konzepts ist also:
- Den Anteil der bewegungsaktiven Bevölkerung kontinuierlich zu erhöhen. Dabei werden alle Altersgruppen berücksichtigt.
Warum muss der Anteil erhöht werden?
Weil die positiven Effekte regelmässiger Sport- und Bewegungsaktivität auf die Gesundheit mehrfach belegt sind.
60 Prozent der Bevölkerung sind körperlich ungenügend aktiv.
Bei Kindern werden zunehmend Bewegungsmangel, motorische Defizite und verminderte Leistungsfähigkeit festgestellt.
Die direkten Behandlungskosten die auf Bewegungsmangel bei Erwachsenen zurückzuführen sind, belaufen sich auf 2,4 Milliarden Franken.
Ein Drittel der erwachsenen Bevölkerung ist heute übergewichtig. Bei den Kindern lässt sich feststellen, dass jedes fünfte Kind zwischen 6 und 12 Jahren übergewichtig und jedes 25. Kind fettleibig ist.
Mit der vom BASPO intiierten Studie "Sport Schweiz 2008" wurde das Bewegungs- und Sportverhalten der Schweizer Bevölkerung in einer noch nie dagewesenen Form untersucht. Nicht weniger als 11000 Telefonbefragungen liegen ihr zugrunde. Und erstmals wurden auch Jugendliche mit einbezogen.
Diverse Folien: Unterschied der bewegungsaktiven Bevölkerung in den letzten Jahren. Unterschied Regionen, Unterschied Mann/Frau, Unterschied Outdoor/Fitnesscenter, Top-5-Sportarten.
Weitere Ziele des SPOKO sind:
- Aufarbeitung und gezieltere Nutzung der Bildungsmöglichkeiten im Sport
- Verbesserungen der Voraussetzungen und Rahmenbedingungen für Nachwuchssportler und für den Spitzensport
- Der Sport als Wirtschaftsfaktor und Partner des Tourismus soll in den Auswirkungen besser genutzt und verstanden werden.
Der Sport dient als Lernfeld für die nachhaltige Entwicklung der Gesellschaft im Sinne einer Balance zwischen Ökologie, Ökonomie und soziokultureller Dimension.
Was ist nun die Aufgabe des BASPO?
Es sorgt für die Entwicklung und Mitgestaltung der nationalen Sportpolitik. Basis dazu bildet das Sportpolitische Konzept.
Das BASPO hat daraus die folgenden vier strategischen Felder abgeleitet:
- Allgemeine Sport- und Bewegungsförderung
- Bildung
- Spitzensport
- Fairer und sicherer Sport
Die Massnahmen daraus sehen sie auf der folgenden Folie 16 und 17
Folie: Strategie und Massnahmen des BASPO
Daraus nun einige Projekte, die aus den gemachten Untersuchungen und deren Resultaten entstanden sind:
- J+S-Kids,
Jugend+Sport erfasst bereits die 5-bis 10-Jährigen. - Aus den Projekten Allez hop und Seniorensport ist der Erwachsenensport entstanden. Er richtet sich an Leute ab dem 20. Altersjahr.
- Im Bereich Bildung ist die Eidgenössische Hochschule für Sport in Magglingen eine der führenden Institutionen in der Sportwissenschaft und -forschung.
Ihr angegliedert sind die Sportstudien, die Trainerbildung und die Spitzensport-RS - Das Swiss Olympic Medical Center steht mit all seinen Bereichen dem Spitzensport zur Verfügung.
Und im vierten strategischen Feld werden am BASPO Mittel erarbeitet und Massnahmen zur Einhaltung der Ethik-Charta getroffen.
Der Bund ist auch in der Dopingprävention und - bekämpfung aktiv. So leistet er1,7 Millionen Franken an die neugeschaffene nationale Dopingagentur Antidoping Schweiz
Zur Bekämpfung der Gewalt an der Euro08 wurde vom damaligen Bundesrat Samuel Schmid der «Runde Tisch» geschaffen.
Der Bundesrat will gemäss Konzept auch die Bedeutung des Sports für die sozial, ökonomisch und ökologisch nachhaltige Entwicklung unserer Gesellschaft besser verstehen und kommunizieren lassen.
Der Bundesrat will dazu beitragen, dass die erforderlichen Ressourcen für den Sport gut genutzt und - bei ausgewiesenem Bedarf - bereitgestellt werden. Insbesondere befürwortet er ideelle und materielle Impulse für die Bereitstellung sowie die optimale und nachhaltige Nutzung von Raum und Infrastruktur für Bewegung und Sport.
Der Bundesrat lässt sich periodisch über Entwicklungen im Sport berichten. Sowohl positive als auch negative Entwicklungen sollen mittels eines «Observatoriums» frühzeitig erkannt werden.
Das Observatorium Sport wurde 2002 ins Leben gerufen und wird neben dem BASPO von folgenden Partnern unterstützt: dem Bundesamt für Statistik der bfu, der SUVA und von Swiss Olympic.
Das Observatorium wird vom BASPO finanziert und koordiniert und von der Lamprecht und Stamm Sozialforschung und Beratung AG im Mandatsverhältnis betrieben
Sie sehen also, die Aufgaben des Bundes sind sehr vielfältig. Und die Förderung von Sport und Bewegung für alle Altersgruppen und Leistungsstufen ist eine Aufgabe im öffentlichen Interesse.
Der Sport bewirkt viel Positives:
- für unsere Gesellschaft
- für unsere Gesundheit
- für die Bildung
- für eine wirkungsvolle Integration
- für die Prävention
und Sport ist nicht zuletzt mit einer Bruttowertschöpfung von 8,1 Milliarden Franken ein gewichtiger Wirtschaftsfaktor.
Zur Zeit ist die Grundlage für die momentane Sportförderung des Bundes durch das Bundesgesetz über die Förderung von Turnen und Sport abgestützt. Es stammt aus dem Jahr 1972. Der Sport und dessen Stellenwert haben sich aber wie die verschiedenen Beispiele zeigten, in den letzten 30 Jahren grundlegend verändert. Deshalb brauchen wir ein neues Gesetz.
Daraus einige Schwerpunkte:
1. Allgemeine Sport- und Bewegungsförderung
Die hohe gesellschaftliche Bedeutung von regelmässigen Sport- und Bewegungsaktivitäten verlangt eine Förderung über alle Alters- und Leistungsstufen hinweg.
Der Bund wird sich höchstens subsidiär engagieren. Das Primat liegt bei den Gemeinden und den Sportvereinen, die die Hauptlast in diesem Bereich tragen. Sie tragen auch wesentlich dazu bei, dass grosse Teile der Schweizer Bevölkerung Sport treiben.
In der Schweiz gibt es mehr als 22500 Sportvereine mit mehr als 2 Mlillionen Aktivmitgliedern.
2. Jugend+Sport
Die bisherigen Aufgaben des Bundes – Führung von Jugend+Sport, Entwicklung von Ausbildungsinhalten und Lehrmitteln, Weiterbildung der Kader und Unterstützung des leistungsorientierten Nachwuchssports – sollen mit dem künftigen Recht fortgeschrieben werden.
Neu sollen auch Kinder ab dem 5. Altersjahr von Jugend+Sport profitieren können.
3. Schulsport
Das Interesse des Bundes am obligatorischen Sportunterricht liegt in erster Linie darin begründet, dass Sport und Bewegung Bestandteil einer ganzheitlichen Bildung und einer entsprechenden Schulkultur darstellen.
Im neuen Gesetz soll der Bund die Befugnis erhalten, für den Sportunterricht qualitative und quantitative Minimalstandards festzulegen.
4. Leistungssport
Die Förderung des Spitzensports ist Aufgabe des privatrechtlich organisierten Sports. Dieser kann jedoch heute ohne staatliche Unterstützung die geforderten Leistungen nicht mehr erbringen.
Der Bund soll daher neben der Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen den Spitzensport in einem gewissen Mass fördern können, insbesondere im Bereich der Nachwuchsförderung und der Trainerbildung.
5. Fairer und sicherer Sport
Die öffentliche Hand trägt Verantwortung in der Bekämpfung der Schattenseiten des Sports. Der Bund soll daher im Rahmen des neuen Gesetzes verpflichtet werden, negative Entwicklungen wie Doping, Gewalt oder Suchtverhalten zu beobachten, Massnahmen anzuregen oder bei Bedarf selbst umzusetzen. Er trägt damit wesentlich zur Verankerung der positiven Werte des Sports in der Gesellschaft bei.
6. Eidg. Hochschule für Sport Magglingen
Nach der Verfassung betreibt der Bund eine Sportschule. Diese Sportschule – aus der das heutige BASPO entstanden ist – soll weiterhin ein Bestandteil des Amtes bleiben. Es sind jedoch die gesetzlichen Grundlagen für die Zusammenarbeit und die Koordination mit den anderen Hochschulen zu schaffen.
Wie sieht nun der weitere Fahrplan für das Gesetz aus?
Das Vernehmlassungsverfahren wurde Ende 2008 abgeschlossen.
Voraussichtlich Mitte Jahr kann das Gesetz dem Parlament zur Beratung zugewiesen werden. Wahrscheinlicher Termin für die Inkraftsetzung des neuen Gesetzes ist der 1. Januar 2011.
Sie sehen, auch im Sport, der sich in den letzten Jahren stark gewandelt hat und in vielen Sparten von der Geschwindigkeit lebt, braucht die Schaffung neuer Gesetze Zeit.
Ich hoffe, dass auch Sie die Zeit während Ihres Studiums hier am BASPO haben nutzen können und Sie ihre gewonnenen Erfahrungen nun bei Ihrer aktuellen und künftigen beruflichen Tätigkeit werden einsetzen können.
Danke für Ihre Aufmerksamkeit.
