Blumenwiese statt Stadionflair
Im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie des VBS soll die Biodiversität auf dem BASPO-Gelände gefördert werden. Nicht nur Sportlerinnen und Sportler, sondern auch Vögel, Insekten und Igel sollen sich wohl fühlen.

Ein Sportzentrum soll als solches daherkommen, auch ausserhalb des Stadions. Jahrelang galt dieser Grundsatz in Magglingen, erzählt Remo Fischer, der Leiter Sportanlagen und Werkhof, bei einem Spaziergang über den Lärchenplatz. «Als ich 2014 am BASPO angefangen habe, folgten wir einem klaren Ansatz: Wir sind ein Sportzentrum, und das soll auch so zur Geltung kommen. Flächen wie diejenigen rund um das Swiss Olympic House haben wir flach gehalten, möglichst ohne Blumen. Wer aus dem Funi ausstieg, sollte sich schon auf den ersten Blick fühlen wie im Sportstadion.»
Diesen Ansatz hat der «Aktionsplan Biodiversität» des VBS nun über den Haufen geworfen. Neu gilt: Sportförderung und Biodiversität dürfen sich nicht mehr ausschliessen, sondern sollen gleichzeitig stattfinden. Wenn schon nicht auf dem Fussballrasen, sollen die Wildblumen immerhin neben dem Platz wachsen dürfen.
Deshalb haben das Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL) und die Bundesgärtnerei das Unternehmen «Naturschutzlösungen Wolfgang Bischoff» damit beauftragt, ein Biodiversitätskonzept für das BASPO zu entwickeln. Das Unternehmen hat kurz-, mittel- und langfristige Massnahmen vorgeschlagen, um die Biodiversität am BASPO zu fördern.
Mehr Holz, mehr Blumen, mehr Kleintiere
Ein erster Eindruck, wie sich die neue Strategie auf das Erscheinungsbild des BASPO auswirken wird, bietet ein Spaziergang über den Lärchenplatz. Der Sportplatz selber wird seit zwei Jahren mit organischem Dünger gemäss den neuen Vorgaben gepflegt, das Gras zwischen den Bäumen neben dem Stadion reicht fast bis zu den Knien, verschiedene Blumen sorgen für Farbe. Äste und Totholz im Waldstück werden bereits jetzt nicht mehr weggeräumt, sondern wenn möglich liegengelassen.
Fischer deutet auf einen grossen Baum, der mittlerweile in die Jahre gekommen ist: «Der Baum ist am Absterben, früher hätten wir ihn gefällt. Nun lassen wir ihn stehen, weil er ein wertvoller Lebensraum für den Specht und Insekten ist.»
Bezüglich Vögel wird aber nicht alles dem Zufall überlassen; an einzelnen Baumstämmen sind Nistkästen zu sehen. Sie sollen bald unterschiedlichen Vogelarten eine Heimat bieten. Eine Aufgabe, die viel Fachwissen erfordert, erzählt Remo Fischer.
Die einzelnen Nistkästen sind unterschiedlich gebaut und werden zu unterschiedlichen Zeiten im Jahr geöffnet, damit genau die erwünschte Vogelart dort ein Zuhause finden kann. «Zum Glück haben wir mit Wilhelm Aschwanden einen Hobby-Ornithologen im Team, der sich damit sehr gut auskennt», sagt er.
Auch die übrigen Mitarbeitenden des Werkhofs und des Bereichs Aussenanlagen stünden dem Ziel, die Biodiversität auf dem BASPO-Gelände zu fördern, positiv gegenüber. Auch wenn noch nicht klar sei, wie sehr der neue Ansatz den Arbeitsalltag des Teams schliesslich tatsächlich verändern wird. «Den Aufwand sehen wir bisher auf dem Papier, aber was es dann bedeutet, ist schwer abzuschätzen», so Fischer.
Gemäss Unterlagen ist etwa vorgesehen, dass die Grünflächen neben den Sportplätzen in Zukunft nur noch acht Mal pro Jahr gemäht werden, statt wie bisher 16 Mal. Das tönt eigentlich nach weniger Aufwand; aber eben, nur auf dem Papier. Denn:
«Wie hoch dann das Gras ist, und was das bedeutet, sehen wir erst, wenn es soweit ist. Wenn der Frühling und der Sommer feucht sind, wächst das Gras enorm. Und alle, die einen Garten haben, wissen, dass der Mähaufwand dann entsprechend höher ist.»
Kommt dazu, dass gewisse Maschinen, die bisher im Einsatz waren, auf Anschlussflächen wie dem Lärchenplatz nicht oder nur noch zum Teil genutzt werden können. Zum Beispiel, weil sie das Gras zu kurz schneiden und so den neu entstandenen Lebensraum für Bodenlebewesen wieder zu zerstören drohen. Gehört zum sportify-Mittagsprogramm also bald Heuen und Mähen mit der Sense? Fischer lacht. «Konkret haben wir es nicht geplant, aber wir könnten uns das überlegen», meint er mit einem Augenzwinkern.
Mit gezielten Massnahmen informieren
Vom neuen Konzept betroffen sind auch die Landwirte, die Land auf dem BASPO-Gelände gepachtet haben und bewirtschaften. Mit ihnen wird es im Herbst ein Treffen geben, um sich über die vom Bund geplanten Massnahmen auszutauschen und zu hören, was aus Sicht der Landwirtschaftsbetriebe berücksichtigt werden sollte.
Denn der Bund, so Fischer, hat nicht unbedingt die gleichen Anliegen und Ziele wie die Landwirte, die ihren Betrieb wirtschaftlich führen müssen. «Aber am Ende sind diese Diskussionen spannend und bereichernd, weil sich alle im Grundsatz einig sind: Wir möchten die Biodiversität fördern und die Böden nachhaltiger bewirtschaften.»
Ausserdem hofft Fischer auf Verständnis bei den Besucherinnen und Besuchern, die nach Magglingen kommen: «Wir müssen die Leute mitnehmen und zeigen, dass wir uns bewusst dafür entschieden haben, unsere Grünflächen nachhaltig und gemäss den Nachhaltigkeitszielen des Bundes zu bewirtschaften. Nicht dass sie denken, Magglingen wird nicht mehr so gut gepflegt wie früher.»
Vorstellen könnte sich Fischer etwa Infotafeln oder kleine Schilder mit QR-Codes, um auf den «Aktionsplan Biodiversität» aufmerksam zu machen. Das wäre nicht nur für Besucherinnen und Besucher, sondern auch für die Mitarbeitenden eine Gelegenheit, das BASPO-Gelände neu zu erleben.
«Aktionsplan Biodiversität» VBS
Das VBS ist sich seiner Verantwortung als bedeutender Umweltakteur bewusst und hat aufgrund seiner vielen Flächen die Möglichkeit, seinen wichtigen Beitrag an die Biodiversität in der Schweiz weiter zu stärken. Mit dem «Aktionsplan Biodiversität» legt das VBS unter Berücksichtigung des Zeitrahmens für den «Aktionsplan Biodiversität» Schweiz seine Ziele bis 2027 fest. Für das BASPO bedeutet das, dass die Biodiversität der Areale in Magglingen und Tenero gefördert werden muss.
Bundesamt für Sport BASPO
Hauptstrasse 247
2532 Magglingen









