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Interviews, Videos & GastartikelVeröffentlicht am 23. Juni 2026

«Das ist Wahnsinn» – Werner Günthör sagt Magglingen nach 45 Jahren Ciao

Er ist Kult und landesbekannt: Werner Günthör ist bis heute der letzte Schweizer, der an Olympischen Spielen in einem Leichtathletikwettbewerb eine Medaille gewonnen hat. Das Nationale Sportzentrum Magglingen war für den Thurgauer Zwei-Meter-Koloss während fast fünf Jahrzehnten Trainings- und Arbeitsmittelpunkt. Nun wird «Kugel-Werni» pensioniert.

Es ist soweit, Werner: Adieu Magglingen. Was geht dir durch den Kopf?
In Magglingen habe ich den grössten Teil meines bisherigen Lebens verbracht. Ich bin seit 1981 – also seit 45 Jahren hier. Das ist Wahnsinn. In dieser Zeit konnte ich so viel Spannendes machen und erleben. Für das und all die schönen Momente bin ich extrem dankbar.

Was hat dir Magglingen über diese viereinhalb Jahrzehnte gegeben?
In erster Linie ganz viele schöne Freundschaften und Begegnungen. Und eine enorme Wertschätzung des Zusammenseins – mit Mitarbeitenden, Athleten und anderen Gästen.

Womit verbindest du Magglingen?
Magglingen ist ein Kraftort, der viel Ruhe ausstrahlt. Von hier aus sieht man die halbe Schweiz. Und es ist ganz viel Wissen vorhanden, von dem alle Alters- und Leistungsstufen profitieren können. Alles dreht sich um Sport und hilfsbereite Menschen. Das zeichnet Magglingen aus und ist wunderschön. Ich hoffe, das bleibt so.

Wie hat sich Magglingen in deinen Augen über all die Jahre entwickelt?
In meinen Anfängen war das Sportzentrum in Magglingen relativ klein. Es war alles etwas langsamer und überschaubarer. Ab dem Jahrtausendwechsel wurde alles rasanter, höher, hektischer. Heute ist es vergleichsweise riesig. Das ist nicht nur gut: Man kennt sich nicht mehr, der Zusammenhalt geht verloren. Das ist sicherlich auch eine Entwicklung der Zeit. Trotzdem würde es dem Sport guttun, wenn man diese Entwicklung zumindest etwas bremsen könnte.

Inwiefern meinst du?
Schauen wir uns das Beispiel der Sportvereine an: Kaum jemand will sich noch engagieren oder verpflichten. Es ist nur noch ein Kommen und Gehen. Das ist nicht gut – weder für den Sport, noch für die Gesellschaft.

Wie gross war der Anteil Magglingens an deiner Karriere?
Sehr, sehr gross. Um erfolgreich zu sein, brauchst du nebst vielem anderen wie Talent, Fleiss und Willen in erster Linie einen guten Trainer und eine gute Infrastruktur. Bei mir hiess dieser Trainer Jean-Pierre Egger und der war bereits in Magglingen. Also folgte ich ihm und konnte so fortan auch von den hervorragenden Anlagen in Magglingen profitieren.

Jean-Pierre Egger war die prägende Figur deiner sportlichen Laufbahn.
In der Tat, ja. Er nahm mich als 21-Jähriger unter seine Fittiche. Ich war damals noch etwas wild, doch Jean-Pierre kümmerte sich rührend um mich. Auch abseits des Sports verbrachten wir viel Zeit zusammen. Ganz ehrlich: Ich habe nie mehr einen so gutmütigen Menschen kennengelernt, wie ihn.

Wie steht’s um deine eigene Gutmütigkeit, wenn du auf der Strasse erkannt und angesprochen wirst?
Die Leute in der Schweiz sind da eher zurückhaltend, ich werde nicht so oft angesprochen. Und wenn doch, freue ich mich über einen kurzen Austausch. Mühsam empfand ich zu meinen Aktiv-Zeiten Trainings in der Halle End der Welt mit Publikum. Da fühlte ich mich jeweils wie im Zoo oder im Bärengraben.

Nun geht’s zurück in den Thurgau und auf tausend Töfftouren?
Nein, nein, ich bleibe am Bielersee, hier fühle ich mich zuhause. Für Töfftouren hingegen werde ich nun hoffentlich schon etwas mehr Zeit haben. Und dann ist da auch noch meine Pedalo-Idee: Einmal mit einem selbst restaurierten Thurgauer Aluminium-Modell den Rhein runter bis nach Berlin oder über den Rhein-Rhône-Kanal bis ans Mittelmeer – das wäre ein Abenteuer.

Werner Günthörs Abschiedsworte aus Magglingen?
Tragt Sorge zu Magglingen! Es war mir eine Ehre und Freude, hier trainieren und arbeiten zu dürfen. Ich würde beides ohne Wenn und Aber wieder tun.

Das Bundesamt für Sport gratuliert Werner Günthör herzlich zur Pensionierung und wünscht ihm alles Gute für die Zukunft.

Werner Günthör kam am 1. Juni 1961 in Uttwil TG zur Welt. Nach seiner Sanitär-Lehre setzte er auf die Karte Spitzensport und verschob seinen Lebensmittelpunkt ab 1981 ins Nationale Sportzentrum Magglingen. Als Kugelstösser gewann er Olympisches Edelmetall (Bronze 1988 in Seoul) und wurde dreimal Weltmeister (1987 Rom, 1991 Tokio, 1993 Stuttgart). Günthör ist verheiratet und arbeitete bis Ende Juni 2026 in verschiedenen Funktionen am Bundesamt für Sport in Magglingen.