Zum Hauptinhalt springen

MitteilungVeröffentlicht am 13. November 2025

«Es ist für mich immer noch überwältigend»

BASPO-Mitarbeiter Noe Seifert schaffte im Oktober die Sensation und gewann im Mehrkampf an der Turn-WM in Jakarta die Bronzemedaille. Wieder zurück in Magglingen erzählt er im Interview, wie er den aktuellen Trubel um seine Person erlebt.

Noe, du hast in Jakarta eine historische Medaille für den Schweizer Turnsport gewonnen. Wie ist es für dich, nun wieder in den Alltag zurückzukehren?

Es ist für mich immer noch überwältigend, ich erhalte sehr viele Glückwünsche von allen Seiten. Gleichzeitig geht es Schlag auf Schlag weiter, denn schon bald stehen die nächsten Wettkämpfe an. Aber das ist vielleicht gar nicht schlecht, um wieder in den Alltag zu finden.

Du warst sogar im «Sportpanorama» zu Gast. Wie gehst du mit dem grossen Interesse an deiner Person um?

Dieses grosse Interesse ist sicher noch sehr ungewohnt für mich. Ich war im Sportpanorama sehr nervös, sogar noch nervöser als vor gewissen Wettkämpfen. Ich bin diesen Trubel wirklich nicht gewohnt und versuche, alles Schritt für Schritt zu nehmen. So schreibe ich beispielsweise nicht allen gleichzeitig zurück, sondern nehme mir dafür etwas Zeit. So klappt es ganz gut.

Du arbeitest für das Sportförderungsprogramm Jugend+Sport und unterstützt Kundinnen und Kunden an der Hotline. Was bringt dir diese Arbeit?

Zum einen hilft sie mir finanziell, weil ich so ein regelmässiges Einkommen habe. Seit ich bei J+S arbeite, konnte ich ausserdem die eine oder andere Medaille gewinnen. Das heisst, die Abwechslung tut mir gut (schmunzelt). Wenn ich nur turnen würde, wäre ich mit dem Druck vielleicht ein bisschen überfordert. Die meisten Kunstturner arbeiten übrigens nebenher in einem kleinen Pensum.

Wie schaffst du es, Sport und Job unter einen Hut zu bringen?

Mit meinem Pensum von 30 Prozent lässt sich das gut vereinbaren. Ich kann am Morgen oder über Mittag arbeiten, sodass mir Zeit zum Trainieren bleibt. Seit wir in Biel trainieren, ist es allerdings ein bisschen schwieriger geworden. Aktuell absolviere ich aber den WK in der Spitzensport-RS, da kann ich Job und Training gut verbinden.

Ist Magglingen der ideale Arbeitsort für dich?

Für Kunstturner gibt es praktisch nichts Besseres. Bis vor Kurzem haben auch wir in Magglingen trainiert. Derzeit wird die Trainingshalle jedoch umgebaut, um in Zukunft eine noch bessere Infrastruktur zu haben. Aktuell trainieren wir in Biel und die Halle dort ist ebenfalls sehr gut. Der Weg ins Training ist jetzt allerdings ein bisschen weiter für mich, da ich in Magglingen wohne.

Welche Angebote in Magglingen nutzt du, um zu trainieren und dich zu erholen?

Die Physiotherapie absolviere ich in Biel. In der Halle haben wir einen Physiotherapeuten, der vom Schweizerischen Turnverband fest angestellt ist. Einmal in der Woche gehe ich im Swiss Olympic Medical Center in Magglingen zur Massage und nutze das Warm- oder Kaltbad zur Regeneration nach dem Training.

Wie trainierst du aktuell?

Momentan bereite ich mich als Einzelturner auf die nächsten Wettkämpfe mit drei Geräten und auf die Schweizer Mannschaftsmeisterschaften mit vier Geräten vor. Nach der WM hatte ich eine Woche Pause, in der ich mich erholen und anderen Interessen nachgehen konnte. Ausserdem hatte ich Zeit, meine Medaille und meinen Geburtstag zu feiern. Der Einstieg ins Training nach der kurzen Pause lief nicht schlecht. Ich trainiere seit eineinhalb Wochen und konnte ein paar einfachere Übungen für die nächsten Wettkämpfe vorbereiten. Ich blicke optimistisch auf die kommenden Wochen. Danach haben wir Weihnachtsferien und eine kleine Pause von all dem Trubel und den Wettkämpfen. Es war ein anstrengendes Jahr und ich freue mich auf die kurze Auszeit. Im Januar beginnen dann die Vorbereitungen für die EM im August.

Wer waren deine Vorbilder, als du noch junger Turner warst, und wie ist es jetzt, selbst ein Vorbild zu sein?

Mein Vorbild war immer Kōhei Uchimura. Er ist bis heute der unangefochtene GOAT im Kunstturnen. Er war ein cooler Turner, sehr elegant. Dass ich selbst ein Vorbild bin, kann ich noch kaum glauben. Ich fühle mich noch immer jung, bin im Turnsport aber eigentlich einer der Älteren. Es ist cool, die junge Generation anzuführen oder für sie ein Vorbild zu sein. Ich hoffe, es bringt etwas.