Für Nati-Captain Lia Wälti sind die EHSM-Leistungstests «mega wertvoll»
Das Schweizer Frauen-Fussball-Nationalteam steht unmittelbar vor dem Start in die Europameisterschaft 2022. Spielführerin Lia Wälti (29) im Interview über die Vorbereitung mit EHSM-Unterstützung, ihr «Heimspiel» in England und vielen Fans in fantastischen Stadien.

Lia Wälti, die Europameisterschaft in England steht unmittelbar vor der Tür. Wie nimmst du die Mannschaft wahr?
Wir sind täglich hart am Arbeiten und die Disziplin und die Motivation im Team sind sehr hoch. In den ersten Wochen der Turnier-Vorbereitung ging es vorwiegend um die Fitness. Das tat manchmal etwas weh, aber wir pushten uns stets gegenseitig und wollten das Beste aus uns herausholen. Mittlerweile liegt der Fokus auf Taktik, Spiel und Gegner. Es wird spannender, die Stimmung im Team ist super und die Vorfreude steigt von Tag zu Tag.
Ihr könnt in der Vorbereitung auf die sportwissenschaftliche Unterstützung der Eidgenössischen Hochschule für Sport Magglingen zählen. Die Leistungsdiagnostik gewinnt auch im Spitzenfussball der Frauen immer mehr an Bedeutung.
Definitiv. Auch bei meinem Klub Arsenal sind leistungsdiagnostische Tests mittlerweile Standard. Es ist mega wertvoll, dass wir dadurch physische Vergleichswerte haben – im Verein und im Nationalteam.
Im Hinblick auf die EM habt ihr bereits im April ein erstes Mal getestet und Trainingsempfehlungen mit auf den Weg bekommen. Konntest du deine Leistungswerte in diesen zwei Monaten verbessern?
(Schmunzelt) Ein wenig. Ich bin nicht die explosivste und sprungkräftigste Spielerin und es ist manchmal etwas frustrierend, wenn man viel investiert hat und dann nur eine kleine Steigerung sieht. Aber es gilt immer dranzubleiben und jeder noch so kleine Fortschritt zählt. Und darum geht es ja bei diesen Tests – nicht um gegenseitiges Vergleichen.
Mit der EM kommt der Höhepunkt erst ganz am Schluss der Saison. Wie steht’s um deine körperliche und mentale Müdigkeit?
Momentan fühle ich mich gut und alles andere als müde. Aber mit einem grossen Ziel vor Augen geht auch Vieles leichter. In meinen Augen ist das immer auch eine Einstellungsfrage. Ausserdem hatten viele von uns noch zwei Wochen Ferien vor dem Nati-Zusammenzug. Das hat sicher nicht geschadet. Aber nochmal: Ich glaube, Ein grosser Teil spielt sich im Kopf ab. Und es ist für uns nicht selbstverständlich, dass wir an so einem grossen Turnier teilnehmen können. Da schiebst du die Müdigkeit zur Seite und freust dich, dass es bald losgeht.
Apropos Vorfreude: Du spielst in England, die EM-Endrunde ist für dich eine Art Heimspiel. Motiviert dich das zusätzlich?
Auf eine gewisse Weise sicherlich. Ich weiss, dass die Engländer alles daran setzen, ein grossartiges Turnier zu organisieren. Es war beispielsweise auch cool zu sehen, wie sie im Vorfeld im ganzen Land begonnen haben, ihre eigenen Nationalspielerinnen zu promoten. Bilder von Spielerinnen auf Chips-Packungen oder Getränke-Flaschen − das wäre im Frauenfussball vor zehn Jahren unvorstellbar gewesen. Aber ich wäre wohl ähnlich motiviert, wenn die EM in einem anderen Land stattfinden würde. Ich bin einfach unglaublich happy, dass wir ein Teil dieses Events sein können.
Eure Teilnahme an diesem Turnier wird sich sicher auch auf den Schweizer Frauenfussball positiv auswirken und viele Mädchen zum Kicken bringen.
Wir haben immer gesagt, dass wir an die grossen Turniere müssen, wenn wir die Jungen vom Fussball begeistern wollen. Das ist leider immer noch so im Frauenfussball. Klar, ein sportlich erfolgreiches Turnier würde das noch zusätzlich unterstützen. Das heisst umgekehrt aber auch; wenn wir uns nicht von der besten Seite präsentieren, ist das auch eine verpasste Chance. Wir sind uns bewusst, dass wir an unseren Leistungen gemessen werden. Stimmen diese, dann können wir auch viele Leute erreichen und hoffentlich viele junge Mädchen zum Fussball bringen.
Träumst du davon, das Team Ende Juli als Captain ins Endspiel im legendären Wembley zu führen?
Ich schaue im Leben nicht zu weit nach vorn und bin auch keine geborene Optimistin. Ich bin eine Realistin und nehme Spiel für Spiel. Wir haben eine schwierige Gruppe und wir müssen über uns hinauswachsen, um schon «nur» die Gruppenphase zu überstehen. Wir haben viel Potenzial und in einem Turnier ist bekanntlich alles möglich. Und sollte es dann tatsächlich zu diesem Wembley-Moment kommen, habe ich noch genug Zeit, mich darauf vorzubereiten.
Abschlussfrage: Du bist dir gewohnt gegen grosse Klubs und vor vielen Zuschauern zu spielen. Wird eine Lia Wälti da noch nervös vor so einer Endrunde?
Eine kleine Portion Nervosität gehört immer dazu. Ich hab’s gesagt: Für uns Schweizerinnen ist es immer noch speziell, an so einem grossen Turnier teilzunehmen, in so grosse Stadien einzulaufen und vor so vielen Leuten zu spielen. Da ist immer eine gewisse Anspannung zu spüren. Und im Turnier-Modus zählt jedes Spiel, jedes Tor – da kannst du deine Nervosität nicht wirklich steuern.
Wir wünschen Lia Wälti und dem ganzen Schweizer Nationalteam viel Erfolg in England!
Weitere Informationen: Frauen-Fussball-Nati startet mit Magglinger Unterstützung ins EM-Abenteuer
Bundesamt für Sport BASPO
Hauptstrasse 247
2532 Magglingen






















