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«Dass es so schnell geht, hätte ich nicht gedacht»

Skispringer Kilian Peier gewinnt sensationell die WM-Bronzemedaille auf der Grossschanze in Innsbruck. Massgeblichen Anteil daran hat auch EHSM-Mitarbeiter Othmar Buholzer.

25.02.2019 | Kommunikation BASPO, Kurt Henauer

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Foto: Swiss-Ski

 

«Vom Konsumenten zum Unternehmer», so lautet der Name eines Projekts, das der Schweizer Skisprung-Chef Berni Schödler nach den Olympischen Spielen 2018 zusammen mit Othmar Buholzer aufgegleist hat. Der Leiter der Diplomtrainer-Ausbildung an der EHSM sowie Coaching- und Persönlichkeitsbildungs-Spezialist hat in der Folge eng mit Kilian Peier (23) zusammengearbeitet. Die WM-Bronze-Medaille auf der Grossschanze durch den Waadtländer Sportsoldaten hat auch Buholzer, der das Projekt privat begleitet, überrascht.

Diese WM-Bronzemedaille von Kilian Peier, rund ein Jahr nach der Nicht-Qualifikation für die Olympischen Winterspiele 2018 in PyeongChang, zeigt, wie schnell das Pendel von Misserfolg zu Erfolg umschwingen kann. Von alleine geht so etwas nicht.

Es braucht einerseits eine glückliche Fügung, andererseits aber auch die Einsicht und den Willen, dass man etwas machen muss. Beides trifft in diesem Fall zu: Der Schweizer Skisprung-Trainer Roger Kamber hat bei Othmar Buholzer in Magglingen die Diplom-Trainerausbildung gemacht, wodurch die Idee entstand, dass etwas geändert werden müsse.

Nun ist Kamber als Trainer für den Doppel-Doppel-Olympiasieger Simon Ammann zuständig, während sich Nationaltrainer Ronny Hornschuh um das übrige Team mit Kilian Peier kümmert. «Die Aura von Simon Ammann im Schweizer Skisprungteam ist sehr stark. Mit dieser Lösung haben jetzt alle mehr Raum, es ist ein Gewinn für alle», so Buholzer.

Das Selbstvertrauen fehlte

Kilian Peier habe im letzten Frühjahr nicht mehr weitergewusst, hätte als Perfektionist mit sich selber keinen guten Umgang mehr gehabt, sagt Buholzer. «Er hat mir gesagt, er stehe vor einer Wand.» Zusammen seien sie dann schrittweise vorgegangen, haben alle Punkte, an denen gearbeitet werden musste, wie ein Puzzle zusammengestellt. «Beim Selbstvertrauen war er bei einer 4, die Maximalnote ist 10», so Buholzer. «Das war der Keypoint, an dem wir zuerst ansetzten.»

Aber auch sonst hat Kilian Peier das Leben umgekrempelt, ist unter anderem aus der Springer-WG in Einsiedeln ausgezogen, hat sein Leben ganz anders in die Hand genommen. Im Sommer hat Peier einen Continental-Cup gewonnen, erzielte Top-6-Ergebnisse im FIS-Grand-Prix. «Da hat er gemerkt, dass es geht, wenn er an sich glaubt», sagt Buholzer zu diesem ersten Schritt im Hinblick auf die Wintersaison.

Der Weltcup verlief für Kilian Peier mit unterschiedlichem Erfolg. Wichtig war auf dem Weg zur Bronzemedaille sicher der 7. Rang an der Vierschanzentournee auf der WM-Schanze am Bergisel in Innsbruck Anfang Januar. Dazwischen gab es «Abstürze», wie beim Skiflug-Weltcup in Oberstdorf, mit dem Nicht-Erreichen des zweiten Durchgang im ersten, dem lediglich 27. Rang im zweiten Springen, und dem Scheitern an der magischen Marke von 200 Metern mit dem längsten Versuch auf 199 m. «Kilian muss immer alles bestätigt haben», sagt Buholzer.

Den Schalter gedreht

So gesehen waren dann die Trainings vor dem WM-Springen in Innsbruck Gold oder eben eine Medaille wert: Er war 1., respektive 2. in den ersten Trainings. «Da hat er den Schalter gedreht», sagt Buholzer. Die Fortsetzung ist bekannt: nach dem 1. Durchgang führte er im Hexenkessel des Bergisel, war auf dem Weg zu einer Medaille. «In der Vorbereitung haben wir intern von einem Top-6-Platz an den WM gesprochen», so Buholzer.

In den Gesprächen, die sie alle 14 Tage führten, war aber auch das Szenario ein Thema, dass Peier den Finaldurchgang als Zweitletzter in Angriff nehmen müsste. Nun ging er als Bester des 1. Durchgangs sogar als Letzter vom Balken und gewann Bronze. «Dass er es so schnell an die Spitze schafft, hätte ich nicht gedacht», zeigt sich Otmar Buholzer erfreut über die Topleistung seines Schützlings.