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MitteilungVeröffentlicht am 26. Oktober 2016

Magglinger Trainertagung im Zeichen des High Intensity Training

Von der Vergangenheit in die Zukunft wurde an der Magglinger Trainertagung am Bundesamt für Sport BASPO von über 400 Fachpersonen das Thema «High Intensity Training HIT» (hochintensives Training) behandelt. Erörtert wurden Vor- und Nachteile gegenüber dem volumenbasierten und Langdistanz-Training.

Die Themen zum High Intensity Training bewegten sich von den aeroben Trainingsformen (Ausdauertraining) über Schnelligkeit (Sprint) und Kraft sowie die Mischform Schnelligkeitsausdauer, die in Hauptreferaten, in Ateliers, Erfahrungsberichten und in der Praxis vorgetragen wurden. Den Einstieg machte mit einer Übersicht von der Vergangenheit in die Gegenwart der Salzburger Professor Thomas Stöggl, der unter anderem zeigte, dass bereits früher bekannte Langstreckenläufer ihr grosses Leistungsvermögen mit intensiven Intervall-Trainingsformen erreichten. So etwa Paavo Nurmi (Fi), der zwischen 1924 und 1928 neun Olympia-Goldmedaillen gewann, oder nach dem Zweiten Weltkrieg die «tschechische Lokomotive» Emil Zatopek (3x Olympiagold 1952 in Helsinki). Erste wissenschaftliche Studien zum High Intensity Training gehen auf die sechziger Jahre zurück.

Mit Werner Günthör so trainiert

«Das hochintensive Training verlangt auch eine präzise technische Ausführung, sonst bringt es für das ganze Bewegungssystem nicht den erwarteten Effekt», sagte der Krafttrainingsspezialist Jean-Pierre Egger. Schon unter seinem früheren Trainer Armin Scheurer habe er vor bald 50 Jahren ähnlich trainiert, so der frühere Schweizer Kugelstoss-Rekordhalter, der später den dreifachen Weltmeister Werner Günthör betreute. «Ähnliche Methoden wie früher habe ich bei ihm und der Olympiasiegerin Valerie Adams angewendet», so Egger, der sagt, «dass man heute mit den intensiven Trainingsformen in weniger Zeit mehr Kraftzuwachs erreiche.»

Über die hochintensiven aeroben Intervall-Trainingsformen im Radfahren referierte der deutsche Wissenschaftler Patrick Wahl von der Sporthochschule Köln. Marcello Iaia, Konditionstrainer bei der AS Roma und Leistungsdiagnostiker an der Universität Mailand zeigte die Effekte des Intervall-Sprinttrainings auf. Anhand von Videos und medizinischen Untersuchungen erläuterte er, welches Sprintvermögen über kürzere und längere Distanzen die Spitzenfussballer brauchen und welchen Einfluss es auf die Leistung hat.

Auch für Nachwuchssportler geeignet

Anhand zweier Studien bei 11- bis 14-jährigen Schwimmern und Fussballern erklärte der Würzburger Professor Billy Sperlich die Vorzüge des hochintensiven Trainings im Nachwuchssport. Die Sportler seien motivierter, die Wettkampfleistung nachher höher. Oder gerade bei den Schwimmern, die meistens nur wenig Wasserzeit zur Verfügung haben, können man mit intensiver Arbeit mehr herausholen als mit «Paddeln» über lange Zeit. Weniger hoch als bei grossen Trainingsumfängen sei die Gefahr der Überbelastung des Körpers oder des Übertrainings. Überdies bewegten sich Kinder schon bei Freizeittätigkeiten in Intervallformen. In anderen Referaten wurde auf die Auswirkungen des HIT auf Technik/Taktik, die Ernährung und die Psyche eingegangen.

Praxis und Zukunft des HIT

Die hochintensiven Trainingsformen in der Praxis wurden für die Tagungsteilnehmenden von Markus Tschopp, Sportwissenschafter am BASPO und Leistungsdiagnostiker bei der Fussball-Nationalmannschaft, und seinem Team präsentiert. Dabei kam unter anderem auch das Local Positioning Measurement System LPMS zum Einsatz, mit dem Bewegungsabläufe und zurückgelegten Wege der Trainierenden verfolgt werden können. Einen Blick in die Zukunft des High Intensity Trainings machte zum Tagungsabschluss Leonie Thalmann (Gottlieb-Duttweiler-Institut). Sie sagte, dass die gesellschaftlichen und technologischen Veränderungen die Trainingsformen weiter verändern werden. Die Trendforschung zeige, wie die Arbeit des Trainers in zehn Jahren aussehen werde. Das Schlussfazit zur Tagung zog Mark Wolf, Leiter der Trainerbildung in Magglingen: «Wer die Vergangenheit nicht kennt, macht in der Gegenwart immer die gleichen Fehler und kann die Zukunft nicht beeinflussen.»

Swiss Olympic Science Award an Beat Müller

Im Rahmen der Tagung wurde der Swiss Olympic Science Award an den BASPO-Leistungsdiagnostiker Beat Müller vergeben. Zusammen mit Swiss Cycling hat er in einem Projekt den Rollwiderstand der Reifen in der Mountainbike-Disziplin Cross Country untersucht. Profitiert von den Resultaten aus dieser Studie hat unter anderen kein Geringerer als Rio-Olympiasieger Nino Schurter.
 

Eidgenössische Hochschule für Sport Magglingen EHSM

Trainerbildung Schweiz
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