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MitteilungVeröffentlicht am 18. Februar 2022

Mit Wissen über Wind und Wetter zum Spitzenresultat

Wer über Wind und Schnee genau Bescheid weiss, hat in Disziplinen wie Ski Alpin, Langlauf oder Skicross einen entscheidenden Vorteil. Deshalb sind für Swiss Ski auch Datenwissenschaftlerinnen und Datenwissenschaftler nach China gereist, um die Athletinnen und Athleten aus der Schweiz zu unterstützen. Einer von ihnen ist Trainingswissenschaftler Björn Bruhin.

Um in einem Skirennen eine Medaille zu gewinnen, reicht hartes Training und viel Talent nicht mehr aus. In einer Sportart, in der nur wenige Hundertstelsekunden den Unterschied machen, ist es auch wichtig, über Schnee, Wind und Temperaturen Bescheid zu wissen. Björn Bruhin arbeitet als Trainingswissenschaftler beim Bundesamt für Sport und ist bei Swiss Ski als Forschungskoordinator angestellt. Mit dem Sammeln und Auswerten von Daten zu Wind und Wetter versucht er aktuell in China, den Athletinnen und Athleten aus der Schweiz den entscheidenden Vorteil zu verschaffen.

Björn Bruhin, so viele Goldmedaillen hat die Schweiz im Ski-Alpin noch nie an Olympischen Spielen gewonnen. Ist es euch also gelungen, die entscheidenden Daten für den perfekten Wettkampf zu sammeln?

Björn Bruhin: Die Frage ist, ob es dank unseren Daten oder trotz unseren Daten geklappt hat (lacht). Ich kann sagen, dass wir zufrieden damit sind, welche Daten wir bisher sammeln konnten. Dass am Ende auch die Performance der Athletinnen und Athleten stimmt, ist natürlich toll. Aber unsere Daten sind dabei nur ein kleines Puzzlestück.

Was waren die wichtigsten Daten, die in China gesammelt wurden?

Bevor wir abreisten, wussten wir sehr wenig über den Schnee und das Wetter. Darauf legten wir den grössten Fokus. Normalerweise stellen wir an den Wettkampforten eigene Wetterstationen auf. An einem Testevent im Vorfeld stellten wir aber fest, dass das an den diesjährigen Olympischen Spielen nicht funktionieren wird. Wir haben deshalb eine eigene App entwickelt, mit der wir Schnee- und Wetterdaten selber erfassen und zentral sammeln konnten. Ausserdem gab es auch einige chinesische Wetterstationen. Wir versuchten, auch zu diesen Zugang zu erhalten.

Habt ihr dank dieser besonderen Ausgangslage auch Lösungen entwickelt, die ihr weiterhin beibehalten wollt?

Tatsächlich gibt es gewisse Dinge, die wir weiter nutzen möchten. Wir haben etwa neue Analysemodelle entwickelt. Wir lernten, möglichst schnell Modelle zur Verfügung zu stellen, um etwa den Wetterverlauf vorherzusehen. Diese Modelle überprüfen wir vor Ort laufend. Wenn wir eine Prognose für einen bestimmten Zeitpunkt am kommenden Tag machen, dann müssen wir diese exakt zu diesem Zeitpunkt überprüfen. So werden die Modelle laufend angepasst, und die Prognose für die Tage danach wird immer genauer.

Ihr hattet wenige Tage, um Daten zu sammeln, die sonst innerhalb vom zwei Jahren gesammelt werden. Wie hat das funktioniert?

Wir hatten noch nie so viele Leute gleichzeitig vor Ort, die sich mit dem Erfassen und Auswerten von Daten beschäftigen. Ich bin für den alpinen Bereich verantwortlich, eine weitere Mitarbeiterin für den Bereich Freestyle und ein dritter Mitarbeiter für die nordischen Disziplinen. Plus sind noch zwei weitere Personen anwesend, die uns neben ihren anderen Aufgaben beim Erfassen der Daten unterstützen. Wir beobachten nicht nur das Wetter und den Schnee, sondern auch die Trainings genau. Wir wollen möglichst rasch wissen, welche Streckenabschnitte für die schnellste Zeit im Ziel entscheidend sind.

Ist Olympia für dich etwas Besonderes?

Ich nehme Olympia immer auch als Challenge für mich wahr. Ich versuche, neue Möglichkeiten zu finden, die an den Olympischen Spielen einen Wettbewerbsvorteil ermöglichen. Wir konnten auch in diesem Jahr etwas zeigen, was die Athletinnen und Athleten zuvor nicht kannten. 

Was denn?

Das verrate ich natürlich nicht (lacht).

Du bist Wissenschaftler, da ist auch der Kontakt mit Kolleginnen und Kollegen wichtig. Wie eng stehst du mit den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der anderen Länder im Austausch?

Privat pflege ich mit einigen guten Kontakt, aber wenn es um die nationalen Interessen geht, dann behalten wir unsere Arbeiten für uns. Aber natürlich versuchen wir, herauszufinden, was die anderen vorhaben. Als Wissenschaftler müssen wir ja regelmässig publizieren. Wenn man die Publikationen der anderen kennt, dann kann sich ungefähr zusammenreimen, mit welchen Daten sie höchstwahrscheinlich arbeiten.

Gab es an diesen Olympischen Spielen ein besonderes Highlight für dich?

Quelle: Instagram
Die Windanalyse ist hier extrem wichtig. Eine gute Windprognose hilft den Athletinnen und Athleten, die richtige Startnummer zu wählen. Vor dem Abfahrtsrennen der Frauen versuchten wir zu evaluieren, welche Startnummern funktionieren könnten. Die Startnummer 15 von Corinne Suter war eine von denen, die wir empfohlen hatten. Sie war sehr zufrieden mit der Analyse, die sie von uns erhalten hatte.

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