Sandra Felix im Pro Velo Magazin: «Die positive Energie des Velofahrens ist einzigartig»
Die Direktorin des Bundesamtes für Sport, wünscht sich, dass Kinder mit dem Velo zur Schule fahren können. Sie selbst tankt beim Velofahren Energie.
Frau Felix, wieso ist Sportförderung wichtig?
Dank Sportförderung lernen wir vieles, was wir unter Lebenskompetenzen verstehen: miteinander umzugehen, aufeinander Rücksicht zu nehmen und einander zu helfen, aber auch schwierige Situationen zu meistern. Wir lernen viel mehr, als nur eine Sportart auszuüben. Für uns beim Bundesamt für Sport BASPO heisst Sportförderung auch, sich mit den unerwünschten Seiten des Sports auseinander zusetzen, etwa unethischem Verhalten, Dopingfragen oder Wettkampfmanipulationen. Diese Verantwortung wahrzunehmen, gehört auch zur Sportförderung.
Grossanlässe ziehen immer mehr Leute an. Ist diese Sportliebe auch wichtig?
Ja, absolut. Ob aktiv oder als Zuschauerin oder Zuschauer: Sport trägt auch viel zum sozialen Leben bei, verbindet Menschen und kann auch zum besseren Verständnis für unbekanntere Regionen, für eine neue Sprache oder eine neue Kultur führen.
Fahren Sie selbst Velo?
Ja, ich bin lange Zeit mit dem Velo zur Schule oder zur Arbeit gefahren. Früher, in Graubünden, habe ich auch oft bei «bike to work» mitgemacht. Ich finde Velofahren super! Heute fahre ich etwas weniger, aber immer gerne und am liebsten mit dem Mountainbike. Sich bei schönem Wetter auf dem Velo in der Natur zu bewegen, wenn einem der Wind um die Ohren weht – das ist einfach ein unglaublich gutes Gefühl. Diese positive Energie, die das auslöst, ist einzigartig.
Manchmal dürfen Kinder mit dem Velo nicht zur Schule, sei es wegen eines Verbots der Schuldirektion oder der Eltern. Wie sehen Sie das?
Es ist wichtig, dass Kinder mit dem Velo zur Schule fahren dürfen, sofern sichere Wege und Parkmöglichkeiten vorhanden sind. Eltern müssten darauf vertrauen können, dass ihre Kinder Gefahrlos ankommen. Der Schulweg bietet eine Chance, früh ein Verantwortungsbewusstsein im Verkehr zu entwickeln.
Wie kann man Kinder mehr für das Velo begeistern?
Mir persönlich gefällt das Mountainbiken sehr. Das ist auch für Kinder attraktiv, weil es Technik und Geschick erfordert. Die Strecken sind häu!g in der Natur und mit unterschiedlichem Untergrund, aber meist nicht asphaltierte Strassen. Und Kinder haben einfach Spass, wenn sie irgendwo noch einen Sprung einbauen können. Hinzu kommt: Mountainbiken ist oft eine Familiensache. Das ist wichtig für Kinder, egal ob es sich um Velofahren oder eine andere Sportart handelt. Sportliche Aktivitäten mit der Familie prägen die Kinder und sind auch für die Eltern wertvoll.
Könnte man Sport vermehrt im Stundenplan einbauen?
Programme wie Jugend und Sport (J+S) helfen, Kindern Sport fachgerecht zu vermitteln. Das BASPO unterstützt Lager, Kurse und in Zusammenarbeit mit den Kantonen auch die Ausbildung von Leitenden in den verschiedenen Sportarten. Dazu gehört auch der Radsport. Im Jahr 2024 haben zum Beispiel 680 000"Kinder und Jugendliche an einer J+S-Aktivität teilgenommen, das sind etwa sechs Prozent mehr als noch 2023 – was positiv ist. Das Wachstum hat aber auch dazu geführt, dass das uns von der Politik zur Verfügung gestellte Geld nicht mehr reicht und wir Beitragskürzungen ins Auge fassen mussten. Eine von Jugendlichen lancierte Petition gegen die geplanten Kürzungen hat gezeigt, wie stark J+S gesellschaftlich verankert ist. Das letzte Wort bezüglich der zur Verfügung stehenden Kredite hat das Parlament im Dezember.
Sind Verkehrsgärten und Pumptracks ein gutes Mittel, um Kinder zu motivieren?
Im Nationalen Sportzentrum in Magglingen haben wir einen Pumptrack. Kinder aller Altersstufen lernen dort, sich mit Velos, Kickboards oder anderen Sportgeräten auf spielerische Weise zu bewegen. Haben Kinder solche Möglichkeiten, nutzen sie sie und lernen einen sicheren Umgang damit.
Haben die sportlichen Fähigkeiten der Kinder abgenommen?
Die SOPHYA-Studie, die wir beim Swiss Tropical and Public Health Institute in Auftrag geben, ist besonders interessant, weil wir dafür eine Gruppe von Kindern während einer bestimmten Zeit begleitet haben. Was wir bisher wissen: Velofahren ist eine beliebte Sportart. Sie liegt immer noch auf Rang drei bei den 10- bis 14-Jährigen.
Das BASPO will demnächst sein Projekt «Sport- und Bewegungsförderung Schweiz 2040» verabschieden. Was sind Ihre Ziele?
Auslöser dieser Arbeit waren die vielen Sportanlässe, die in der Schweiz stattfinden, und die Frage, wie wir sie nutzen können, um Sport und Bewegung zu fördern. Wir versuchen, uns dafür etwas von der klassischen Unterscheidung zwischen Breitensport und Spitzensport zu lösen. Unsere Grundlage bilden die Werte des Sports und der Bewegung – beispielsweise Leistungsfähigkeit, Gesundheit, Begeisterung sowie deren wirtschaftliche Bedeutung. Dafür beziehen wir viele Akteure ein, die sich im Bereich Sport und Bewegung engagieren. Auch Pro Velo Schweiz könnte einen wichtigen Beitrag dabei leisten. Bis Ende Jahr wollen wir das Projekt abschliessen.
Bundesamt für Sport BASPO
Hauptstrasse 247
2532 Magglingen

